Meliponula-Bienen: Bee friendly in Ghana

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Meliponula-Bienen sind kuriose Kreaturen, die ein friedliches Wesen über die Jahrmillionen entwickelt haben. Als wäre ihr friedfertiges Verhalten nicht pazifistisch genug, haben Meliponula-Bienen die einzige defensive Waffe einer Biene abgetreten: ihren Stachel. Trotz ihrer fehlenden Bewaffnung ist die Vorstellung, von Meliponula-Bienen umschwärmt zu werden, Albtraummaterial. Wer es auf den fermentierten Meliponula-Honig abgesehen hat, wird nicht angegriffen – sondern belagert. Anstatt Gift unter die Haut von Honig-Dieben zu pumpen, umschwärmen Meliponula-Bienen die Räuber und krabbeln in jede unverdeckte Körperöffnung: Mund, Nase, Ohren, Augen. Die Wissenschaft ist sich noch nicht einig, warum sich Meliponula-Bienen so verhalten. Es könnte ein Verteidigungsmechanismus der Schwarmintelligenz des Bienenvolks sein – vielleicht ist es aber auch pure Neugier. Dies ist nur eines von vielen Geheimnissen, das die mysteriösen Meliponula-Bienen umgibt.

In den folgenden Monaten wird Bee friendly diese wunderbaren Wesen erforschen, die Nutzpflanzen bestäuben, medizinischen Honig produzieren und unschätzbare Zahnräder tropischer Ökosysteme sind. In unserer Blog-Serie „Meliponula-Bienen“ treffen wir den renommierten Entomologen Professor Peter Kwapong und sprechen mit ihm über Bienen, Biodiversität und Bienenzucht in Westafrika. Wir werden Sammy kennenlernen, der im Internationalen Zentrum für stachellose Bienen arbeitet, und mit ihm über den Alltag eines ghanaischen Imkers sprechen. Und wir werden das Internationale Zentrum für stachellose Bienen in Ghana besuchen, das Professor Kwapong 2005 gegründet hat, um das Bewusstsein für den Naturschutz zu schärfen und afrikanischen Landwirt:innen eine alternative Lebensgrundlage zu bieten.

Wir sind sehr stolz darauf, dass die Meliponula-Bienen-Serie den Beginn einer internationalen „Bee Alliance“ zwischen Bee friendly in Deutschland und dem International Stingless Bee Centre in Ghana markiert. Wir möchten uns bei allen bedanken, die dies möglich gemacht haben! Wir sind überglücklich und dankbar, dass wir zusammen mit unseren neuen Freund:innen in Ghana, die Welt bienenfreundlicher machen dürfen.

Das Internationale Zentrum für stachellose Bienen

Die umgangssprachlich als stachellose Bienen (englisch: stingless bees) bekannten Meliponula-Bienen leben in Kolonien und sind in (sub-)tropischen Ländern der Welt beheimatet, wie Südamerika, Südostasien, Australien und Afrika. Obwohl traditionelle indigene Medizin den Honig der stachellosen Bienen schon lange zur Behandlung von vielen Beschwerden einsetzt, sind seine heilenden Eigenschaften in der westlichen Medizin weniger bekannt. Tatsächlich ist über stachellose Bienen im Allgemeinen nicht viel bekannt, wie uns Professor Kwapong bei unserem Gespräch im April 2023 mitteilte. Um diese Wissenslücke zu schließen, gründete Professor Kwapong im Jahr 2005 das Internationale Zentrum für stachellose Bienen.

Das Internationale Zentrum für stachellose Bienen

Das Internationale Zentrum für stachellose Bienen ist idyllisch am Rande des Kakum-Nationalparks in Ghana gelegen, etwa 40 (holprige) Autominuten von Cape Coast entfernt. Im Laufe der Jahre haben Professor Kwapong und sein Team ein friedliches Refugium für vier verschiedene stachellose Bienenarten geschaffen: Hypotrigona, Dactylurina, Meliponula ferruginea und Meliponula Bocandei leben hier. Ursprünglich wurde das Internationale Zentrum für stachellose Bienen als Schulungseinrichtung für die örtliche Bevölkerung gegründet, in der Landwirt:innen die stachellose Bienenhaltung als alternative Einkommensquelle erlernen konnten. Doch im Laufe der Jahre hat sich das Internationale Zentrum für stachellose Bienen zu weit mehr als einer Ausbildungsstätte entwickelt.

Heute ist das Internationale Zentrum für stachellose Bienen ein Ort, an dem Studierende, Schüler:innen, Tourist:innen und Landwirt:innen gleichermaßen etwas über Naturschutz, Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen lernen können. Dank des Internationalen Zentrums für stachellose Bienen wächst das Bewusstsein für Bienen und andere Bestäuber in der breiten Öffentlichkeit. Der falsche Einsatz von Pestiziden und die Brandrodung in der Landwirtschaft werden in Afrika zunehmend verpönt, weil die Menschen beginnen, die Auswirkungen der Biodiversitätskrise zu verstehen. Im Internationalen Zentrum für stachellose Bienen führt Professor Kwapong hands-on Naturschutz durch und macht dadurch komplexe Zusammenhänge für Laien greifbar. Dies führt zu einem wachsenden Bewusstsein für das Insektensterben, Bestäubungsdienstleistungen, Pestizidproblematiken und andere Aspekte der Bodenverschlechterung. Auf diese Weise ist das Internationale Zentrum für stachellose Bienen ein Katalysator für eine neue Generation von Naturschützern.

Ein Meliponula-Bienenvolk im ISBC in Ghana

Bis heute wurden im Internationalen Zentrum für stachellose Bienen über 500 Imker:innen und mehr als 500 Studierende ausgebildet, berichtet Professor Kwapong stolz. Während die Teilnehmer:innen anfangs vor allem aus den dortigen Dörfern kamen, werden dort heute Männer und Frauen aus ganz Westafrika ausgebildet. Auf diese Weise fördert das Internationale Zentrum für stachellose Bienen aktiv viele der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG), wie z. B. Keine Armut (SDG1), Kein Hunger (SDG2), Gesundheit und Wohlergehen (SDG3), Hochwertige Bildung (SDG4), Geschlechtergleichheit (SDG5), Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum (SDG8), Weniger Ungleichheiten (SDG10) und Leben an Land (SDG15).

Professor Kwapong: Der Experte für stachellose Bienen

Auch wenn der bescheidene Professor Kwapong es nicht zugeben mag, ist er wahrscheinlich der kompetenteste Wissenschaftler auf dem Gebiet der stachellosen Bienen weltweit. Neben seiner Arbeit am Internationalen Zentrum für stachellose Bienen lehrt und forscht Professor Kwapong seit über 30 Jahren an der Universität von Cape Coast und hat Dutzende von wissenschaftlichen Artikeln in hochrangigen Fachzeitschriften veröffentlicht. Nach seiner Promotion an der Universität Reading in Großbritannien ging Professor Kwapong in die USA, wo er sich mit Bienen, Bestäubern und Ökosystemleistungen beschäftigte. Auf einer Reise nach Brasilien kam Professor Kwapong zum ersten Mal mit stachellosen Bienen in Kontakt und erfuhr zu seinem „Schock und Erstaunen“, dass ähnliche Bienen auch in seinem Heimatland Ghana endemisch sind.

Professor Kwapong: Der Experte für stachellose Bienen

Professor Kwapong erkannte sofort die Bedeutung der stachellosen Bienen als Bestäuber, Stabilisatoren des Ökosystems und Produzenten von Honig und anderen wertvollen Produkten und beschloss, seine Arbeit auf die Meliponula-Bienen zu konzentrieren. Abgesehen von dem pragmatischen Nutzen, welche die stachellosen Bienen für uns Menschen haben, sieht Professor Kwapong sie auch als Botschafter der Natur, da sie „die breite Öffentlichkeit über den Schutz der Umwelt aufklären können“.

In den kommenden Monaten werden das International Stingless Bee Centre und Bee friendly eine Vielzahl von Artikeln zum Thema Meliponula-Bienen, Biodiversität in Westafrika und nachhaltige Bienenzucht veröffentlichen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Professor Kwapong und seinem Team am International Stingless Bee Centre, die wir mit Stolz unsere Freunde nennen dürfen.

+++English version +++

Bee friendly Bee Alliance with the International Stingless Bee Centre in Ghana

Meliponula bees are curious creatures, whom evolution has endowed with a peaceful demeanor. In fact, as if to demonstrate their pacifism, Meliponula bees have receded a bee’s seemingly only defensive weapon—their stingers—making them vulnerable to predators who wish to gorge on their fermented honey. Despite their lack of weaponry, however, the prospect of being swarmed by these bees is somewhat disturbing. Instead of chasing away honey-poachers by pumping poisonous venom under their skin, Meliponula bees swarm honey thieves and crawl into every orifice they can find: noses, mouths, ears, eyes. Whether stingless bees do this out of curiosity or to defend their hives, is one of the many mysteries surrounding Meliponula bees.

In the following months, Bee friendly will try to shed light on these marvelous creatures that pollinate crops, produce medicinal honey and other important hive products, and are invaluable members of tropical ecosystems. For our Meliponula Bee series we will meet the renowned entomologist Professor Peter Kwapong and talk to him about bees, biodiversity, and beekeeping in West Africa. We will get to know Sammy, who works at the International Stingless Bee Centre, and talk to him about the everyday life of a Ghanaian beekeeper. And we will visit the International Stingless Bee Centre in Ghana, which Professor Kwapong founded in 2005 to raise awareness regarding nature conservation and to provide African farmers with alternate livelihoods.

We are proud to announce that the Meliponula Bee series marks the beginning of an international bee alliance between Bee friendly in Germany and the International Stingless Bee Center in Ghana. We would like to thank everyone who made this possible and feel blessed to have made new friends in Ghana, with whom we hope to make the world a more bee friendly place.

The International Stingless Bee Centre

Colloquially known as stingless bees, Meliponula bees live in colonies and are endemic to (sub-) tropical regions of the world, such as South America, Southeast Asia, Australia, and Africa. Although traditional indigenous medicine has long used stingless bee honey to treat a broad range of ailments, its medicinal properties are not well known in Western medicine. In fact, not much is known about stingless bees in general, as Professor Kwapong told us, when we talked to him in April 2023. To close this knowledge gap, Professor Kwapong founded the International Stingless Bee Centre in 2005.

Das Internationale Zentrum für stachellose Bienen

The International Stingless Bee Centre is idyllically located on the outskirts of Kakum National Park, about a 40-minute drive away from Cape Coast. Over the years, Professor Kwapong and his team have created a peaceful sanctuary for four different stingless bee species: Hypotrigona, Dactylurina, Meliponula ferruginea, and Meliponula Bocandei. At first, the International Stingless Bee Centre was founded as a training facility for the local community, where farmers could learn about stingless beekeeping as an alternative source of income. But over the years, the International Stingless Bee Centre has developed into so much more than a vocational training site.

Today, the International Stingless Bee Centre is a place where university students, school children, tourists, and farmers alike can learn about conservation, biodiversity, and ecosystem services. Thanks to the International Stingless Bee Centre there is a growing awareness in the general public regarding the importance of bees and other pollinators. Pesticide misapplication and slash-and-burn farming methods are increasingly being frowned upon because people are beginning to understand the implications of the biodiversity crisis. At the International Stingless Bee Centre, Professor Kwapong conducts hands-on conservation through which complex issues become tangible for laypersons, leading to a growing recognition regarding the decline of bee populations, pollination services, pesticide problems, and other land degradation issues. As such, the International Stingless Bee Centre is catalyzing a new generation of conservationists.

Ein Meliponula-Bienenvolk im ISBC in Ghana

To date, over 500 beekeepers and more than 500 students have been trained at the International Stingless Bee Centre, Professor Kwapong proudly recounts. While participants were mostly from local communities at first, today men and women from all over West Africa are being trained at the International Stingless Bee Centre. Thus, the International Stingless Bee Centre is actively promoting many of the UN’s Sustainable Development Goals (SDG), such as No Poverty (SDG1), Zero Hunger (SDG2), Good Health and Well-Being (SDG3), Quality Education (SDG4), Gender Equality (SDG5), Decent Work and Economic Growth (SDG8), Reduced Inequalities (SDG10), and Life on Land (SDG15).

Professor Kwapong: The Stingless Bee Expert

Although the humble Professor Kwapong may not admit it, he is probably the most knowledgeable scholar in the field of stingless bees worldwide. Aside from his work at the International Stingless Bee Centre, Professor Kwapong teaches and conducts research at the University of Cape Coast for over 30 years, publishing dozens of academic articles in high-ranking journals. After finishing his PhD at Reading University in Great Britain, Professor Kwapong went to the U.S., where he became intrigued with bees, pollinators, and ecosystem services. On a trip to Brazil, Professor Kwapong first came into contact with stingless bees and, to his “shock and amazement”, learned that similar bees were also endemic in his home country, Ghana.

Professor Kwapong: Der Experte für stachellose Bienen

Professor Kwapong immediately recognized the importance of stingless bees as pollinators, ecosystem stabilizers, and producers of honey and other valuable hive products and decided to focus his work on the Meliponula bees. Aside from these practical values that stingless bees have for us humans, Professor Kwapong also sees them as ambassadors of nature, as they “enable the general public to be educated on the conservation of the environment.”

In the following months, the International Stingless Bee Centre and Bee friendly will be publishing a wide range of articles on the topic of Meliponula bees, conservation in West Africa, and sustainable beekeeping. We look forward to our collaboration with Professor Kwapong and his team at the International Stingless Bee Centre, whom we are proud to call our friends.

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Kommentar von Samuel Nkrumah |

Excellent, Love to work with Bee friendly also 😀

Kommentar von NG |

Ein sehr interessanter und toll geschriebener Artikel. Ich freue mich schon auf die weiteren Beiträge eurer Blog-Serie „Meliponula-Bienen“ :)