Bienenfreundliche Blühstreifen

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Unsere Städte und Gemeinden werden immer bunter, denn Blühstreifen liegen voll im Trend. Und das freut nicht nur uns Menschen, sondern auch Wildbienen, Honigbienen und andere Insekten. Während wir die Ästhetik der Blühstreifen bewundern, liefern Wildblumen vielen bestäubenden Insekten überlebenswichtigen Nektar und Pollen. Somit werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Wir Menschen können uns an den Blumen sattsehen – und die Wildbienen können sich sattfressen.

In diesem Beitrag nehmen wir Blühstreifen etwas genauer unter die Lupe: Wie lege ich einen Blühstreifen an? Warum werden Blühstreifen gemäht? Und was bringen Blühstreifen überhaupt? Denn es gibt nicht nur Befürworter von Blühstreifen: Kritiker befürchten nämlich, dass der Blühstreifen-Hype nicht das Insektensterben aufhalten wird.

Blühstreifen voll im Trend: Woher kommen die ganzen Wildblumen?

Ist dir aufgefallen, dass es in diesem Jahr viel mehr Blühstreifen und Wildblumenwiesen gibt? Roter Klatschmohn, lila Disteln und blaue Kornblumen schmücken in 2021 viele städtische Flächen. Und das ist kein Zufall: In Deutschland haben die Gemeinden und Städte in diesem Jahr über neue 100 Wildblumenwiesen angelegt. Dazu kommen noch die unzähligen privaten und gewerblichen Blühstreifen, die in Gärten und auf Firmengeländen entstanden sind.

Blühstreifen voll im Trend: Woher kommen die ganzen Wildblumen?

Allein Berlin hat über 1,5 Millionen Euro für Wildblumen Saatgut ausgegeben (leider nicht von Bee friendly), um über 50 Wildgärten in den nächsten fünf Jahren anzulegen. Auch in München, Stuttgart, Leipzig und Hamburg gibt es schon dutzende städtische Wildblumenwiesen – Tendenz steigend. Man könnte schon fast von einem Wildblumen-Hype sprechen! Damit dieser Trend keine kurzlebige Modeerscheinung wird, säen Städte und Gemeinde meist mehrjährige Wildblumenmischungen aus. Jedes Jahr werden die Wiesen bunter, da sich immer mehr unterschiedliche Wildblumen durchsetzen können. Während Mohn und Disteln in diesem Jahr die Blühstreifen dominieren, kann es im nächsten Jahr schon ganz anders aussehen.

Nutzen von Blühstreifen: Bienenfreundliche Wildblumenwiesen

Doch was bringen Blühstreifen überhaupt? Klar, sie sind schön anzusehen. Aber noch viel wichtiger ist ihre Funktion für Insekten. Denn in erster Linie sind Blühstreifen für Bestäuber und andere Nützlinge. Um das zu verstehen, müssen wir etwas weiter ausholen: Seit Jahren ist bekannt, dass der Insektenbestand auf der Welt (ja, auch in Deutschland) drastisch zurückgeht. Dieses sogenannte Insektensterben hat viele komplexe Gründe und Ursachen: der Einsatz von hochgiftigen Pestiziden in der Landwirtschaft; Monokulturen und Überdüngung der Böden; aber auch die Versiegelung von Flächen.

Grundsätzlich lassen sich zwei Hauptursachen für das Insektensterben benennen: (1) Das aktive Töten von Insekten durch den Einsatz von Pestiziden und (2) die Verschlechterung der Lebensbedingungen der Insekten durch Nistplatz- und Nahrungsmangel. Letzteres führt ebenfalls zum Aussterben von Insekten, da die Fortpflanzung stark darunter leidet. Und das hat gravierende Folgen, denn Insekten bilden das Fundament der Natur. Wildbienen, Honigbienen, Schmetterlinge und Hummeln bestäuben 75 Prozent unserer Getreide-, Obst- und Gemüsepflanzen. Wenn unsere fleißigen Helfer nicht mehr da sind, müssen wir unsere Pflanzen selbst von Hand bestäuben. Abgesehen von der Bestäubungskrise hat das Insektensterben noch andere dramatische Folgen: Wovon sollen sich Vögel, Fische, Eidechsen und andere Tiere ernähren, wenn es keine Insekten mehr gibt? Der Verlust von Insekten würde einen Rattenschwanz mit sich ziehen, den wir uns gar nicht vorstellen können. Diese sogenannte Biodiversitätskrise könnte ganze Ökosysteme zum Kippen bringen und unbewohnbar machen.

Blühstreifen voll im Trend: Woher kommen die ganzen Wildblumen?

Werden Blühstreifen also das Insektensterben aufhalten? Wahrscheinlich nicht. Aber sie können einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Einerseits bieten sie Insekten Obdach und Nahrung; andererseits sind sie eine Art Öko-Marketing: Menschen sehen bunte Blumenwiesen, sprechen darüber, informieren sich und können dann aktiv werden.

Wie lege ich einen Blühstreifen an?

Um einen Blühstreifen anzulegen, benötigst du keinerlei gärtnerischen Fähigkeiten oder Spezialwerkzeug. Alles was du brauchst, ist Bienensaat; nährstoffarme Erde; einen Blumenkasten, Kübel oder Beet; Schaufel, Rechen und Walze. Die meisten Wildblumen mögen sonnige bis halbschattige Standorte. Je nachdem, wie die Lichtverhältnisse an deinem Standort sind, musst du die Bienensaat auswählen. Falls der Boden sehr humushaltig ist, wäre es gut, wenn du ihn mit etwas Sand abmagerst. Der Grund hierfür ist, dass viele Wildblumen keinen nährstoffreichen Boden mögen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass du auch nicht düngen musst!

Lockere den Boden mit einer Hake oder einem Rechen leicht auf und säe dann deine Wildblumensamen aus. Achte hierbei bitte darauf, dass du die Samen nicht zu dicht aneinander aussäst. Als Richtwert empfehlen wir pro Bee friendly Bienensaat-Tüte 3 bis 5 Quadratmeter Fläche. Sobald du deine Blumensamen ausgesät hast, kannst du sie mit einer Walze in den Boden drücken. Dies soll verhindern, dass Vögel die Samen aufpicken, bevor sie keimen. Bitte bedecke deine Samen nicht mit Erde: die meisten Wildblumen sind nämlich Lichtkeimer. In den ersten zwei Wochen musst du deinen Blühstreifen schön feucht halten, damit deine Samen keimen.

Eine Wildblumenwiese bedarf sehr, sehr wenig Pflege. Falls du doch einmal siehst, dass sie von Schädlingen befallen ist, kannst du auf bewährte, natürliche Mittel zurückgreifen: Oregano- oder Knoblauchaufgüsse wirken Wunder bei Schädlingen. Bitte verzichte unbedingt auf chemische Mittel!

Warum werden Blühstreifen und Wildblumenwiesen gemäht?

Vielleicht hast du dich schon einmal gefragt, warum Wildblumenwiesen gemäht werden. Oft passiert es, dass die schönsten Blühstreifen niedergemetzelt werden und danach wochenlang karg und verlassen dastehen. Auch wenn es im Herzen wehtut, so etwas zu sehen, müssen Wildblumenwiesen leider gemäht werden.

Blühstreifen voll im Trend: Woher kommen die ganzen Wildblumen?

Wenn eine Blumenwiese nicht gemäht wird, dauert es meist nicht lang, bis bestimmte Pflanzenarten andere vertreiben und die Artenvielfalt abnimmt. Beim Mähen einer Wiese, werden Blumensamen (manchmal ganz unbewusst) verteilt, sodass es nach der Mahd bald wieder bunt blühen kann. Beim Mähen ist es ganz wichtig, dass die Pflanzenreste komplett von der Wiese entfernt werden. Ansonsten verrotten sie und reichern den Boden mit Nährstoffen an, die unsere Wildblumen nicht so gut vertragen.

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