Dein ESRS-Guide: Alles was du über die European Sustainability Reporting Standards wissen musst

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Bisher hatten Unternehmen freie Wahl über Art und Veröffentlichungsweise ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung. Und, naja, du kannst es dir denken: Diese Freiheit führte oft dazu, dass sich jedes Unternehmen genau die Standards oder Berichtsweisen heraus suchte, die es in einem besonders strahlenden Licht erscheinen ließen. Unternehmen konnten also den Standard wählen, der am besten zu ihrer spezifischen Situation passte und somit ihre Stärken betonen, während sie Schwächen geschickt in den Hintergrund rückten. Vor der Einführung der ESRS war es sogar möglich, Berichte teilweise nur auf qualitative Aussagen zu stützen anstatt auf konkrete quantitative Daten.

Kurz gesagt hatten Unternehmen verschiedene Möglichkeiten, ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung zu ihren Gunsten zu lenken. Clever, aber nicht unbedingt nachhaltig…

Doch damit ist jetzt Schluss! Bald werden Unternehmen verpflichtet, nach den European Sustainability Reporting Standards zu berichten, die Teil der größeren Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sind. Die Standards sorgen dafür, dass Unternehmen transparent, ehrlich und vergleichbar über ihre Nachhaltigkeitsleistung berichten müssen.

Keine Ausreden mehr, keine Tricks – nur klare, harte Fakten.

Warum sind die ESRS so wichtig?

ESRS-Guide: Alles was du über die European Sustainability Reporting Standards wissen musst
ESRS-Guide: Alles was du über die European Sustainability Reporting Standards wissen musst

Die Standards sollen für eine einheitliche und vergleichbare Berichterstattung über Nachhaltigkeitsaspekte in der gesamten EU sorgen. Unternehmen werden dazu verpflichtet, Nachhaltigkeitskennzahlen detailliert und standardisiert offenzulegen. Das stärkt das Vertrauen bei Investoren, Kunden und der Öffentlichkeit, da klar und vergleichbar sichtbar wird, wie Unternehmen mit wichtigen ökologischen und sozialen Themen umgehen. Die Standards helfen auch dabei, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und zu steuern – besonders relevant in Zeiten, in denen Umwelt- und Klimarisiken immer mehr Einfluss auf Geschäftsaktivitäten nehmen. Durch ihre einheitliche Struktur ermöglichen sie es auch, die Nachhaltigkeitsleistungen unterschiedlicher Unternehmen leichter zu vergleichen, was sowohl für dich als auch für deine Stakeholder wertvoll ist.

Für wen gelten die ESRS?

Die ESRS gelten für Unternehmen, die unter die CSRD fallen, also:

  • Große Unternehmen: Sowohl börsennotierte als auch nicht börsennotierte Unternehmen, die mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllen:
    • Mehr als 250 Mitarbeiter
    • Umsatzerlöse von mehr als 40 Millionen Euro
    • Bilanzsumme von mehr als 20 Millionen Euro
  • Börsennotierte Unternehmen: Alle Unternehmen, die an einer EU-Börse notiert sind, unabhängig von ihrer Größe. Dazu gehören auch kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), die an der Börse gelistet sind.
  • Kreditinstitute und Versicherungen: Große Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen sind ebenfalls verpflichtet, die ESRS einzuhalten.
  • Nicht-europäische Unternehmen: Unternehmen außerhalb Europas, die in der EU tätig sind und einen Nettoumsatz von mehr als 150 Millionen Euro erzielen und eine Tochtergesellschaft oder eine Niederlassung in der EU haben.

Und für alle anderen: Auch wenn du noch nicht verpflichtet bist, die ESRS umzusetzen, kann es sinnvoll sein, schon jetzt damit anzufangen. Das verbessert nicht nur deine Nachhaltigkeitsstrategie, sondern bereitet dich auf mögliche zukünftige Anforderungen vor.

Wie beeinflussen die ESRS dein Unternehmen?

Zunächst einmal erweitern die ESRS die Berichterstattungspflichten erheblich. Es geht nicht mehr nur um finanzielle Kennzahlen, sondern auch darum, detaillierte Informationen über deine Umwelt-, Sozial- und Governance-Praktiken (ESG) offenzulegen. Das bedeutet: Mehr Transparenz und mehr Vertrauen bei deinen Investoren, Kunden und Partnern. Außerdem müssen klare und messbare Ziele definiert und regelmäßig berichtet werden. Das hilft dir, auf dem richtigen Weg zu bleiben und deine Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Die ESRS legen zudem großen Wert auf die gesamte Wertschöpfungskette. Du musst nicht nur deine eigenen direkten Aktivitäten betrachten, sondern auch die Auswirkungen deiner Lieferanten und Partner einbeziehen. Diese ganzheitliche Sichtweise erfordert möglicherweise Anpassungen in deinen Beschaffungsprozessen und eine engere Zusammenarbeit mit deinen Zulieferern, um die Nachhaltigkeitsstandards entlang der gesamten Kette zu erfüllen.

Im Bereich Risikomanagement und Zukunftssicherheit helfen die Standards, potenzielle Umwelt- und Sozialrisiken frühzeitig zu erkennen und effektiv zu steuern. Das schützt nicht nur die Umwelt, sondern auch dein Unternehmen vor unerwarteten Kosten und möglichen Reputationsrisiken.

Nicht zuletzt stellen die ESRS sicher, dass dein Unternehmen den kommenden regulatorischen Anforderungen entspricht. Sie machen es dir leicht, gesetzliche Vorgaben einzuhalten und Strafen zu vermeiden.

Insgesamt fordern die ESRS dein Unternehmen dazu auf, Nachhaltigkeit in den Kern deiner Geschäftsstrategie zu integrieren, was aber wiederum dein Markenimage stärkt und langfristige Erfolge sichert.

Wie sehen die Standards aus und wie finde ich mich in dem Dokument zurecht?

Jedes Jahr erscheinen neue Leitfäden und Standards - es scheint, als würde der Stapel an Nachhaltigkeitsdokumenten nie enden. Kein Wunder, dass viele Unternehmer die Nachhaltigkeitsberichterstattung als lästig empfinden. Die ESRS sind da keine Ausnahme: Sie sind komplex und detailliert.

Aber keine Sorge: Wir helfen dir, den Überblick zu behalten!

 

Die ESRS bestehen aus zwölf Standards, die in zwei Querschnittsstandards und zehn sektorspezifische Standards unterteilt sind. Die Querschnittsstandards sind:

 

  • ESRS 1 - Allgemeine Anforderungen
  • ESRS 2 - Allgemeine Angaben

 

Die sektorspezifischen Standards gliedern sich in die Themenbereiche Umwelt, Soziales und Unternehmensführung bzw. Environment (E), Social (S) und Governance (G):

 

  • Umwelt:
    • ESRS E1 - Klimawandel
    • ESRS E2 - Umweltverschmutzung
    • ESRS E3 - Wasser- und Meeresressourcen
    • ESRS E4 - Biologische Vielfalt und Ökosysteme
    • ESRS E5 - Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft

 

  • Soziales:
    • ESRS S1 - Eigene Belegschaft
    • ESRS S2 - Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette
    • ESRS S3 - Betroffene Gemeinschaften
    • ESRS S4 - Verbraucher und Endnutzer

 

  • Unternehmensführung:
    • ESRS G1 - Unternehmenspolitik (einschließlich ethischer Geschäftspraktiken, Antikorruptionsmaßnahmen und Führungsgremien)

Bis auf den ESRS 1 und ESRS 2 sind alle Standards gleich aufgebaut. Es wird immer erst beschrieben, was berichtet werden muss und dann wie und nach welchen Angaben. Jeder sektorspezifische Standard fängt mit einer Einführung und Zielsetzung an. Das erklärt die Ziele und die Notwendigkeit des einzelnen ESRS. Darauf folgen die allgemeinen Berichterstattungsanforderungen - also eine Definition der Unternehmen, die unter die Berichterstattungspflicht fallen und die Kriterien zur Bestimmung relevanter Informationen. Danach werden die Interaktionen mit anderen Standards klargestellt. Jeder Standard hängt in irgendeiner Art und Weise mit den anderen zusammen. Wenn du zu einem Thema berichten musst, kann es gut sein, dass du deshalb auch über ein zusammenhängendes Thema berichten musst. Als nächstes werden die Formate für die Berichterstattung festgelegt, also nach welchen spezifischen Angaben berichtet werden muss. Zum Schluss findest du dann noch die Vorgaben, wie die externe Prüfung und Validierung der Berichte auszuschauen hat.

Was ist tatsächlich berichtspflichtig? Und was ist wirklich wichtig?

Gute Nachrichten: Nicht alle Aspekte der ESRS sind verpflichtend. Insgesamt gibt es 137 Offenlegungspflichten und 1203 Datenpunkte, welche die EFRAG erarbeitet hat, aber du musst nicht alle abdecken. Die Berichtspflichten hängen von der Größe, Branche und spezifischen Umständen deines Unternehmens ab.

 

Pflicht für alle Unternehmen sind die Querschnittsstandards (ESRS 1 und ESRS 2). Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern müssen zudem über den ESRS E1 (Klimawandel) und den ESRS S1 (Eigene Belegschaft) berichten.

Der Rest? Berichtet nur über die für das Unternehmen wesentliche Themen.

Diese findest du durch eine Wesentlichkeitsanalyse heraus. Diese bestimmt, welche Nachhaltigkeitsfaktoren für den Geschäftserfolg deines Unternehmens tatsächlich ausschlaggebend sind. Nur über die relevantesten Faktoren muss im Endeffekt detailliert berichtet werden. Das heißt, nicht alle Themen sind für jedes Unternehmen verpflichtend, sondern nur diejenigen, die wirklich wesentlich sind.

Macht Sinn, oder?

Dennoch müssen grundlegende Informationen über die Unternehmensführung und interne Kontrollmechanismen dokumentiert werden, wie auch die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsrisiken auf das Geschäftsmodell, die Strategie des Unternehmens als auch ein paar umweltbezogene Informationen.

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