Die Gartenhummel: Effizienter als die Honigbiene

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Die Gartenhummel (Bombus hortorum) ist ein entspannter Zeitgenosse mit einem richtig langen Rüssel. Und dank ihrem langen Rüssel ist die Gartenhummel Bestäubungsweltmeisterin! Wissenschaftler:innen haben nämlich herausgefunden, dass die Gartenhummel Pflanzen besser bestäubt als die Honigbiene. Somit erledigt sie eine immens wichtige Aufgabe im Obst- und Gemüseanbau.

Name Gartenhummel (Bombus hortorum)
Größe 11–26 mm
Flugzeit März bis August
Vorkommen Selten
Blütenvorliebe Unspezialisiert
Lebensraum Hummelkästen, Mauselöcher, Vogelnester, Scheunen
Nistweise Volksstärke 50 bis 150 Hummeln

Nistplatz, Nestbau und Hummelvolk bei der Gartenhummel

Schon im März wachen die etwa 18–26 mm großen Gartenhummelköniginnen aus ihrem Schönheitsschlaf, um einen geeigneten Nistplatz für ihr Volk zu finden. Die nistplatzsuchenden Königinnen summen und brummen dann umher in Gärten, Parks und Wiesen. Lange dauert die Suche aber meist nicht, da die Gartenhummel überhaupt nicht wählerisch bei der Nistplatzwahl ist: Mäuselöcher, Vogelnester, Hummelkästen, Scheunen, Dachböden, und, und, und. Wenn sie am Boden nistet, befindet sich das Nest dann meistens oberflächennah unter der Erde.

Das Hummelvolk der Gartenhummel umfasst zwischen 50 und 150 Arbeiterinnen und Drohnen, die von Mai bis August fliegen. Manchmal – und wirklich nur manchmal – bringt eine Hummelkönigin sogar eine zweite Generation hervor. Dieses Zweitvolk fliegt dann, je nach Witterung, bis in den September hinein. Spätere Generationen sind eine ganz große Seltenheit bei Wildbienen und Hummeln.

Besser als die Honigbiene: Wieso ist die Gartenhummel besser im Bestäuben?

Die langrüsselige Hummelart ist ein gern gesehener Gast bei Obst- und Gemüsebauern. Dank ihrem langen Rüssel kommt sie auch an Nektar, den andere Wildbienen nicht erreichen. Daher gilt die Gartenhummel als einer der wichtigsten Bestäubern von Obstbäumen. Die Wissenschaftlerin Lisa Brünjes von der Georg-August-Universität Göttingen fand im Rahmen ihrer Forschung heraus, dass die Gartenhummel bei der Bestäubung von Ackerbohnen viel effizienter ist als andere Bienenarten: "Honigbienen und Erdhummeln haben die Ackerbohnen am häufigsten angeflogen, sie haben dabei aber nicht immer bestäubt, sondern meist nur Nektar geraubt."

Ganz anders Bombus hortorum: Ein einzelner Blütenbesuch einer Gartenhummel sorgt für eine Fremdbestäubung der Pflanze. Im Gegensatz zu Erdhummeln und zu Honigbienen werden Gartenhummel trotzdem (noch) nicht kommerziell in der Landwirtschaft eingesetzt.

Welche Wildblumen mag die Gartenhummel?

Wenn gerade mal keine Obstbäume oder Gemüsepflanzen am Start sind, sieht man die Gartenhummel oft an Lippenblütlern oder Schmetterlingsblütlern. Auch hier hilft ihr der lange Rüssel an verborgene Nektar-Reservoirs zu gelangen, die anderen Bienen- und Hummelarten verborgen bleiben. Wiesen-Klee, Disteln, Ackerbohnen, Blauer Eisenhut, Beinwell und der Fingerhut sind die Lieblingswildblumen der Gartenhummel. Grundsätzlich ist die Gartenhummel aber bei der Blütenauswahl nicht sehr wählerisch. Sie ist polylektisch, also nicht auf bestimmte Pflanzenfamilien spezialisiert.

Wie erkenne ich eine Gartenhummel? Bestimmungshilfe und äußere Merkmale

Manchmal ist es gar nicht so einfach die Gartenhummel von der Erdhummel zu unterscheiden. Aber es gibt einige äußere Merkmale, die dir bei der Bestimmung der Gartenhummel helfen können. Zunächst einmal sind der Rüssel und der längliche Kopf offensichtliche Merkmale der Gartenhummel. Bei Königinnen kann der Rüssel sogar bis zu 21 mm lang werden!

Eine Gartenhummel am Lavendel

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Färbung der Gartenhummel. Anders als die Erdhummel hat die Gartenhummel nämlich drei gelbe Querbinden. Aber Obacht: die beiden mittleren Streifen liegen sehr nah beieinander, sodass man hier von einer Doppelbinde spricht. Der Hintern der Gartenhummel ist weiß behaart.

Naturschutz und Gefährdung: So selten ist die Gartenhummel

In Deutschland stehen alle Wildbienenarten (dazu gehören auch die Hummeln) unter Naturschutz. Es ist also illegal Gartenhummelnester zu stören oder gar kaputtzumachen. Unter den heimischen Hummeln ist die Gartenhummel die seltenste Hummelart. Sie gilt zwar noch nicht als "gefährdet", aber sie befindet sich auf der sogenannten Vorwarnliste. Industrielle Agrarwirtschaft und deren Einsatz von Pestiziden sowie die Versiegelung von Flächen sind die Hauptgründe für den Insektenrückgang.

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