Beton und Biodiversität: Helix Pflanzensysteme GmbH zeigt mit dem Insector, wie Gebäude zum Naturschutz beitragen
Michael Watson 0
Gebäude sind schlecht für die Natur. Das kann man nicht schönreden. Um Gebäude zu bauen, werden Habitate zerstört, Flächen versiegelt und Ressourcen, Energie und CO₂ verbraucht. Ohne Gebäude geht es aber auch nicht. Denn wir leben und arbeiten in Gebäuden, die uns vor Wind, Wetter und anderen Gefahren schützen.
Eine Lösung dieses Dilemmas bietet Helix Pflanzensysteme GmbH aus Kornwestheim bei Stuttgart. Das Unternehmen entwickelt, baut und pflegt Fassadenbegrünungen und Begrünungssysteme für Gebäude, die das Stadtklima verbessern, ökologische Funktionen stärken und Lebensräume für wild lebende Tiere schaffen. Durch den Insector, dem Insekten-Monitoringsystem von Bee friendly, erhält Helix Pflanzensysteme jeden Tag belastbare Daten zu Bestäuberinsekten, die den Standort anfliegen und den ökologischen Mehrwert von intakten Grünfassaden auf Bestäuberebene sichtbar und messbar machen.
Im Zeitraum von März bis Oktober 2025 dokumentierte der Insector insgesamt 1002 Insekten, die 50 Arten zugeordnet werden konnten. Im Vergleich zu anderen Insector-Standorten in Deutschland schneidet Helix Pflanzensysteme dabei super ab: Im nur 84 Kilometer entfernten Mannheim wurden im Schnitt 236 Insekten pro Insector-Standort gezählt!
Besonders bemerkenswert bei Helix Pflanzensystemen: Auf dem Standort in Kornwestheim wurden einige Arten dokumentiert, die auf der Vorwarnliste des Rote Liste Zentrums stehen, oder sogar schon als „stark gefährdet“ eingestuft werden. Die Insector-Daten zeigen also, dass der Standort von Helix Pflanzensysteme in Kornwestheim ein qualitativ hochwertiger Lebensraum ist und sich hier gefährdete Insekten bereits angesiedelt haben.
Wer ist Helix Pflanzensysteme und wieso interessieren sie sich für Insekten?
Helix Pflanzensysteme plant, baut und pflegt Begrünungssysteme für Gebäude, um wertvolle Lebensräume zu schaffen und Biodiversität zu fördern. Dies ist auch ein besonderes Anliegen für den Geschäftsführer, Jonathan Müller, der es sich zur Mission gemacht hat, seine Berufung als Architekt mit dem Naturschutz zu verbinden. Er weiß: Eine Fassadenbegrünung muss ästhetisch sein und sie muss gut für die Natur sein. Doch hinter dieser scheinbar einfachen Formel verbirgt sich eine Komplexität mit einer Vielzahl an Variablen, die berücksichtigt werden müssen, wie die Auswahl und Kombination der Pflanzen, die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen, oder der Zeitpunkt für den Rückschnitt.
Als wäre das nicht schon schwierig genug, ist Helix Pflanzensysteme mit einer weiteren Realität des Naturschutzes konfrontiert: Es gibt keine „One-Size-Fits-All“-Lösung, die sich für jedes Ökosystem eignet. Es gibt nicht die Fassadenbegrünung, die von Kempten bis nach Kiel funktioniert. Stattdessen müssen Pflanz- und Pflegekonzepte für jeden Standort neu ausgelotet werden, damit Pflanzen gedeihen und heimische Tiere genug Nahrung und Nistplätze vorfinden.
Um die richtigen Pflanzen für eine Fassadenbegrünung auszuwählen, muss das Team um Jonathan Müller also die lokalen klimatischen Bedingungen und die dort vorkommende Flora und Fauna kennen. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Parameter – gerade in Zeiten des Klimawandels – dynamisch sind und man heute noch nicht wissen kann, wie sich Wetter, Pflanzen und Tiere in den nächsten Jahren entwickeln.
Um solche Trends zu überwachen, ist ein kontinuierliches Monitoring erforderlich, das die täglichen ökologischen Metriken erfasst und zeigt, wie sich beispielsweise bestimmte Insektenarten entwickeln. Bisher wurden solche Biodiversitätsdaten für Helix Pflanzensysteme von Biolog:innen vor Ort erhoben. Ein großer Nachteil eines solchen herkömmlichen Monitorings ist, dass Biolog:innen nicht jeden Tag an jedem Standort sein können, um Insekten zu zählen und zu bestimmen. Für viele Standorte fehlte es also an täglichen Biodiversitätsdaten, die Helix Pflanzensysteme helfen würden, Pflegearbeiten zu timen und Pflanzungen zu planen.
Trends verstehen und Naturschutzmaßnahmen von Insektendaten ableiten
Der Insector füllt diese Datenlücken: Er überwacht voll automatisiert jeden Tag die lokale Insektenvielfalt und liefert konkrete Handlungsempfehlungen, welche Maßnahmen Biodiversität weiter fördern können. Aus diesem Grund wurde im März 2025 auf dem Firmengelände von Helix Pflanzensysteme in Kornwestheim ein Insector installiert, um die Entwicklung der Insektenabundanz und -diversität dort zu messen. Das Gerät arbeitet solarbetrieben und nutzt eine Kamera und künstliche Intelligenz, um Insekten zu dokumentieren und zu klassifizieren.
- Monitoringzeitraum: 04.03.2025 – 16.10.2025
- Lizenzmodell: Saisonales Monitoring inklusive Basic-Report
Während des Monitoring-Zeitraums wurden 1002 Insekten und 50 verschiedene Insektengattungen und -arten dokumentiert. Die Daten zeigen:
- Eine steigende Aktivität im Frühling,
- Einen deutlichen Peak im Mai und Juni,
- Deutlicher Rückgang der Abundanz ab Ende Juli.
Ein Rückgang der Abundanz und Diversität von Insekten ab Ende Juli ist ein typisches saisonales Muster, da der Lebenszyklus vieler Arten zu dieser Jahreszeit endet. In 2025 hat das schlechte Wetter im Mai und Juli mit sehr vielen Regentagen diese Entwicklung zusätzlich verstärkt:
Mit einem höheren Anteil spätsommerlicher Blühpflanzen, mehr Nistplätzen für bodennistende Insekten und einer behutsamen Pflege von Grünflächen kann dieser Rückgang im Hochsommer etwas abgefedert werden. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass dieser Prozess zum Kreislauf der Natur gehört und es nicht möglich (und auch nicht erstrebenswert) wäre, diesen Rückgang vollends aufzuhalten.
Rote-Liste-Bewertung und bedrohte Arten am Standort Kornwestheim
Neben dem bloßen Zählen und Klassifizieren von Insekten, berechnet der Insector auch den Gefährdungszustand der dokumentierten Insekten. Hierfür werden die Roten Listen herangezogen, denn darin sind die aktuellen wissenschaftlichen Daten zur Gefährdungssituation heimischer Insekten verzeichnet.
Weltweit kann der Insector 354 Insekten klassifizieren. Dabei kann der Insector ca. 80 in Europa vorkommende Insekten auf Artniveau und ca. 80 Insektengattungen, zu denen über 500 Arten gehören, bestimmen. Um einen Überblick über den Gefährdungszustand aller Insekten zu erhalten, kann das arithmetische Mittel aller Arten der Gattung berechnet werden. Wer es etwas genauer mag, kann mit dem Insector aber auch den Gefährdungszustand für diejenigen Insekten anzeigen lassen, die auf Artniveau bestimmt wurden:
Ungefährdet (95,3 %): Arten werden als derzeit nicht gefährdet angesehen, wenn ihre Bestände zugenommen haben, stabil sind oder so wenig zurückgegangen sind, dass sie nicht mindestens in Kategorie „Vorwarnliste“ eingestuft werden müssen.
Vorwarnliste (3,3 %): Arten, die merklich zurückgegangen sind, aber aktuell noch nicht gefährdet sind. Bei Fortbestehen von bestandsreduzierenden Einwirkungen ist in naher Zukunft eine Einstufung in die Kategorie „Gefährdet" wahrscheinlich.
Stark gefährdet (1,4 %): Arten, die erheblich zurückgegangen oder durch laufende bzw. absehbare menschliche Einwirkungen erheblich bedroht sind. Wird die aktuelle Gefährdung der Art nicht abgewendet, rückt sie voraussichtlich in die Kategorie „Vom Aussterben bedroht" auf.
Eine seltene Besucherin: Die Waldhummel (Bombus sylvarum)
Ein Insekt bei Helix Pflanzensysteme, das auf der Vorwarnliste steht, ist die Waldhummel (Bombus sylvarum). Anders als ihr Name es vermuten ließe, findet man die Waldhummel nicht in geschlossenen Wäldern, sondern eher im offenen Gelände. Sie fällt durch ihren hohen Summton und ihren scheinbar nervösen Flug auf. Charakteristisch ist auch ihr verhältnismäßig langer Kopf.
Waldhummeln sind auffallend bunt und hübsch gezeichnet. Im Brustbereich hat sie schwarze Querbinden. Das Hinterleibsende ist orangerot behaart mit feinen weißlichen Streifen. Sie ist daher auch unter dem Namen Bunthummel bekannt. Gleich dreimal ist die Waldhummel bei Helix Pflanzensysteme vor die Linse geflogen: am 8. Juni, sowie am 3. und 9. Juli. Um die Waldhummel zu fördern und deren Population wachsen zu sehen, empfehlen wir, Strukturen wie blütenreiches Offenland zu bewahren, da sie auf solchen Flächen nistet.
Eine häufige Besucherin: Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera)
Der häufigste Bienen-Gast in Kornwestheim in 2025 war die Westliche Honigbiene (Apis mellifera). Im Gegensatz zur Waldhummel ist die Honigbiene eine domestizierte Bienenart, die es in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr wild gibt. Sie bildet Staaten mit bis zu 50.000 Arbeiterinnen, einer Königin und einigen Drohnen. Die Honigbiene liefert uns z.B. Honig, Wachs, Propolis und liefert einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung.
Die Honigbiene ist die prominenteste Vertreterin der Bienen. Sie ist mit ihren gelben und schwarz-braunen Streifen leicht zu erkennen. An ihren Hinterbeinen befinden sich Körbchen zum Sammeln von Blütenstaub.
Auch wenn Honigbienen wichtige Bestäuber in der Landwirtschaft sind, spielen sie im Naturschutz eine untergeordnete Rolle. Im Gegenteil: Studien zeigen, dass das Ansiedeln von Honigbienenvölkern heimische Wildbienen sogar verdrängen kann. Nichtsdestotrotz sollte das vermehrte Auftreten von Honigbienen bei Helix Pflanzensysteme nicht als Alarmsignal gewertet werden, da weiterhin viele andere Wildbienenarten nachgewiesen wurden.
Gebäude, die Biodiversität fördern: Helix Pflanzensysteme zeigt, dass ihre Fassadenbegrünung zur hohen Artenvielfalt beiträgt
Unterm Strich ist ein Gebäude, das gar nicht erst gebaut wird, das beste Gebäude für die Biodiversität. Doch wer nun denkt, dass wir zu Gunsten der Natur vollends auf Gebäude verzichten werden, verweigert die Realität. Es gilt, Kompromisse zu finden, um Schaden zu minimieren, oder bestenfalls sogar Natur zu stärken. Die innovativen Fassadenbegrünungen von Helix Pflanzensysteme zeigen, dass Gebäude und Naturschutz kein Widerspruch sind, sondern dass sich Biodiversität und Beton vertragen können.
Das Insector-Monitoring in 2025 hat gezeigt, dass Abundanz und Diversität von Insekten am Standort Kornwestheim hoch sind. Dabei wurden einige gefährdete und dadurch besonders schützenswerte Insekten, wie die Waldhummel oder die Gemeine Pelzbiene, dokumentiert. Diese Arten gilt es insbesondere zu schützen, indem geeignete Nistplätze angelegt und Pflanzen ausgesät werden.
Wir wünschen Helix Pflanzensysteme weiterhin viel Erfolg und freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit!
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