Make87 im Interview: Wie Digitalsierung Biodiversität und Naturschutz unterstützt
Aksa Ziegler 0
Digitalisierung und Naturschutz werden oft als Gegensätze wahrgenommen: Einerseits eröffnet Technologie neue Möglichkeiten, andererseits bringt sie selbst einen ökologischen Fußabdruck mit sich. Sei es durch Rohstoffgewinnung, Produktion, Nutzung oder Entsorgung von Geräten.
Das Unternehmen make87 zeigt jedoch, dass Digitalisierung ein starkes Werkzeug für den Naturschutz sein kann. In unserem Gespräch mit Nisse und Phillip wollen wir der Frage nachgehen, inwieweit Digitalisierung und Naturschutz Hand in Hand gehen können. Die beiden haben eine Softwareplattform entwickelt, die es Teams ermöglicht, eine KI-gesteuerte Hardware schnell zu entwickeln, bereitzustellen und zu skalieren. So unterstützt make87 Projekte wie Bee friendly, bei dem ein solarbetriebenes Insekten-Monitoringsystem, der Insector, Daten zur Biodiversität sammelt und auswertet.
Digitalisierung als Werkzeug für Naturschutz
Oft wird Digitalisierung als Belastung für die Umwelt gesehen. Besonders in abgelegenen Gebieten sind Stromversorgung und Internetzugang eine Herausforderung. Make87 zeigt jedoch, dass diese Hürden überwunden werden können. „Natürlich hat Technologie einen ökologischen Fußabdruck, aber wenn Systeme von Anfang an energieeffizient und langlebig entwickelt werden, überwiegen die Vorteile“, betont Phillip, Mitgründer von make87. Digitale Systeme machen zudem Daten sichtbar, die sonst verborgen bleiben. Nisse, ebenfalls Mitgründer, zeigt dies am Beispiel von Waldbränden in Kanada: „Frühzeitiger Einsatz von Monitoring- und Frühwarnsystemen kann den Schaden für Natur und Umwelt deutlich reduzieren. So lassen sich aufwendige und umweltschädliche Maßnahmen wie Flugzeuge, Helikopter oder Löschwasser vermeiden.“
Nachhaltigkeit in der Unternehmensphilosophie
Make87 setzt auf langlebige Hardware und kontinuierliche Softwareverbesserung. Dadurch werden Ressourcen geschont und Geräte halten länger. Ein weiterer Vorteil: Remote-Updates. Geräte lassen sich online überwachen und aktualisieren, ohne dass jemand vor Ort fahren muss. Das spart CO2, Zeit und Kosten: „Unsere Kunden-Hardware ist immer mit unserer Plattform verbunden“, berichtet uns Nisse. „Man kann jederzeit den Status prüfen oder Updates durchführen. Dies macht viele Reisen überflüssig.“
Monitoring und Sensorik als Schlüssel
Auf die Frage, wo Digitalisierung den größten Mehrwert für den Naturschutz hat, antwortet make87 klar: „Immer dann, wenn es um Monitoring und Datenerhebung geht. Wenn man etwas verbessern will, muss man es zuerst messen können.“ Sensorik ermöglicht heute vielfältige Anwendungen: von Luftqualitätsmessung über Bodendaten in der Landwirtschaft bis hin zur Insektenbeobachtung.
„Je mehr Daten wir haben, desto bessere Entscheidungen können wir treffen. Die Herausforderung liegt darin, herauszufinden, welche Sensoren und Daten wirklich entscheidend sind“, stellt Phillip klar. Auch betont er, dass nahezu jeder Sensor von Rauch- oder Partikelmessung über Kameras für Insekten bis hin zu Satellitenspektroskopie potenziell sinnvoll ist, um Umweltveränderungen zu beobachten. Entscheidend sei jedoch, genau zu prüfen, welche Sensoren und Daten tatsächlich benötigt werden, denn nicht jede Technologie liefert in jedem Kontext die passenden Informationen.
Zukunftstechnologien für Naturschutz
Während Sensorik also die Grundlage schafft, um Veränderungen in der Natur sichtbar und messbar zu machen, geht der nächste Schritt noch weiter: Aktorik. Sie sorgt dafür, dass auf Basis der gesammelten Daten auch gehandelt werden kann und dies automatisiert, zielgerichtet und im besten Fall sofort. So ergänzen sich Sensorik und Aktorik zu einem ganzheitlichen System: messen, verstehen, reagieren. Make87 skizziert einige mögliche Szenarien: Eine Kamera könnte beispielsweise erkennen, wenn ein Reh die Straße überquert, und automatisch ein Warnschild aktivieren, um Autofahrer zu warnen. Bodensensoren könnten die Feuchtigkeit messen und bei Bedarf gezielt eine Bewässerungsanlage steuern. „Aktorik ermöglicht es, nicht nur zu beobachten, sondern direkt die richtigen Maßnahmen umzusetzen“, berichtet Nisse.
Auch komplexere Anwendungen sind denkbar: Lautsprecher können als Warnsysteme dienen, um Tiere vor Gefahren zu schützen. „Je nach Situation kann Aktorik viel effizienter handeln, als wenn alles manuell gesteuert wird“, ergänzt Phillip. Durch diese Kombination aus Sensorik und Aktorik wird aus der reinen Datenerfassung ein aktives Schutzsystem, das auf Veränderungen in Echtzeit reagieren kann. Dies ist eine Vision für die Zukunft des Naturschutzes.
Datenintegration und Standardisierung
Für effektiven Naturschutz ist es entscheidend, dass Daten aus unterschiedlichen Projekten und Systemen standardisiert und vergleichbar sind. Make87 verdeutlicht, dass ihre Plattform genau dabei hilft: „Datenbanken arbeiten meist mit festen Schnittstellen“, erklärt das Team. „Mit make87 lassen sich diese Schnittstellen ganz unkompliziert integrieren – egal ob HTTP, MQTT oder MCP.“ Dadurch wird die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Projekten deutlich erleichtert. „Externe Systeme lassen sich problemlos einbinden“, heben die beiden hervor. Standardisierte Daten helfen, Biodiversität effektiv zu überwachen und Forschungsergebnisse global nutzbar zu machen.
Ein Blick in die Zukunft des Naturschutzes
Digitalisierung und Naturschutz sind keine Gegensätze, im Gegenteil: Richtig eingesetzt kann Technologie den Schutz natürlicher Lebensräume erheblich verbessern. Frühwarnsysteme, Monitoring und Sensorik machen Umweltveränderungen sichtbar. Solarbetriebene Systeme wie der Insector erfassen Daten zur Biodiversität und schaffen Transparenz für fundierte Entscheidungen. Remote-Updates und langlebige Hardware reduzieren Ressourcenverbrauch und sparen CO2. Mit der richtigen Technologie, durchdachtem Design und gezieltem Einsatz können digitale Systeme entscheidend dazu beitragen, die Natur nachhaltig zu schützen.
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