Naturschutz und Meliponula-Bienen in Ghana

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Als wir im März 2023 Professor Peter Kwapong und Sammy Nkruhmah im Internationalen Zentrum für stachellose Bienen (ISBC) besuchten, war unser erster Eindruck von den Meliponula-Bienen völlig falsch. Als wir von den kleinen Bienen umschwärmt und gekitzelt wurden, kicherten wir, weil wir ihr Verhalten für wohlwollende Neugier hielten. Später klärte uns Peter Kwapong auf, dass dies tatsächlich ein Abwehrmechanismus ist, um Eindringlinge fernzuhalten. „Es ist nicht so, dass sie nicht stechen wollen“, lacht er, „Ihr Hinterleib hat nur keinen funktionalen Stachelapparat.“

Der fehlende Stachel ist nur ein Merkmal, der die Meliponula-Bienen von der Westlichen Honigbiene und anderen Wildbienenarten der nördlichen Hemisphäre unterscheidet. Auch die Anatomie, die Nistgewohnheiten und die Architektur des Bienenstocks unterscheiden sich von den in Europa oder Nordamerika heimischen Bienen. In Teil 3 der Meliponula-Bienenserie werden wir einige der faszinierendsten Geheimnisse rund um die Meliponula-Bienen beleuchten, sowie die Gründe erforschen, wieso diese Bienen in Westafrika vom Aussterben bedroht sind.

Stachellose Bienen in Ghana

Biologie-Stunde: Stachellose und Meliponula Bienen

Die meisten stachellosen Bienenarten gehören zur Familie der Apidae, genauso wie die Westliche Honigbiene und viele andere Wildbienenarten in Europa und Nordamerika. Anatomisch sehen die stachellosen Bienen der Westlichen Honigbiene ziemlich ähnlich: Sie haben einen Kopf, einen Thorax und einen Hinterleib sowie drei Beinpaare, zwei Antennen, zwei Facettenaugen und zwei Flügelpaare. Der auffälligste Unterschied ist der „nicht funktionierende Stachelapparat“.

Innerhalb der Gruppe der stachellosen Bienen ist Meliponula eine Gattung mit etwa drei Arten. Diese Zahl ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, wie Peter Kwapong anmerkt, denn es gibt noch viele weitere Arten, die noch nicht entdeckt wurden. In seiner Zeit an der Cape Coast University hat Peter Kwapongs Forschungsgruppe allein 12 stachellose Bienenarten in den entlegenen Regionen Ghanas entdeckt. Solche unentdeckten Arten sind oft nur den Bewohner:innen von entlegenen Dörfern bekannt, die Tausende von Kilometern entfernt im Busch leben.

Nistgewohnheiten und Bauweise der stachellosen Bienen

Grundsätzlich gibt es bei den stachellosen Bienen solitär und soziallebende Bienen. Letztere bauen ihre Nester in Bäumen, toten Baumstämmen, verlassenen Ameisenhaufen oder alten Häusern. Normalerweise sind die Nester von stachellosen Bienen in Baumstämmen oder anderen Hohlräumen versteckt, was den Zugang für große Raubtiere erschwert.

Im Gegensatz zur Westlichen Honigbiene lagern stachellose Bienen ihren Honig nicht in Waben, sondern in Töpfen. Die Nester der stachellosen Bienen wachsen zu seltsam aussehenden Blasen heran, die seltsamerweise an krebsartige Auswüchse erinnern, wobei jede Blase Honig enthält, der nachweislich eine Vielzahl von medizinischen Zwecken erfüllt.

Das Nest von stachelloser Bienen

Stachellose Bienen: Wie verteidigt man sich ohne Waffe?

Stachellose Bienen haben es nicht immer leicht. Die Liste ihrer Fressfeinde ist lang und umfasst Tiere, die ganze Bienenstöcke zerstören würden, nur um an ihren Honig zu kommen. Trotz der ständigen Gefahr, die von Käfern, Ameisen, Fliegen, Spinnen, Krähen, Eidechsen, Affen, Dachsen und – natürlich Menschen – ausgeht, haben die Meliponula-Bienen ein sehr begrenztes Arsenal, um sich zu verteidigen.

Wie der Name schon sagt, haben stachellose Bienen keinen Stachel, mit dem sie sich verteidigen können. Wenn sie angegriffen werden, umschwärmen sie den Eindringling, beißen ihn und krabbeln in alle unbedeckten Körperöffnungen: Münder, Nasen, Ohren. Einige stachellose Bienen produzieren sogar eine übelriechende, abstoßende Flüssigkeit, die sie auf Eindringlinge „spucken“.

Schutzstatus der stachellosen Bienen: Anthropogene Bedrohung

Doch leider können weder Stachel noch Spucke den zerstörerischsten aller Eindringlinge  abwehren: den Menschen. Wie Peter Kwapong feststellt, ist die überwiegende Mehrheit der stachellosen Bienenarten in Westafrika durch die vom Menschen verursachte Zerstörung von Lebensräumen und die Verschmutzung der Umwelt gefährdet.

„Die Lebensräume werden absichtlich oder aus Unkenntnis zerstört“, klagt er. Durch Brandrodung von intakten Wäldern und anderer Ökosysteme wird Land für die Landwirtschaft oder Infrastruktur erschlossen. „Sie lassen das Feuer tagelang brennen, bis der Boden zu Holzkohle wird, sodass selbst die bodennistenden Bienen sterben“, stellt Peter Kwapong traurig fest.

Neben der Zerstörung von Lebensraum hat auch die Umweltverschmutzung zu einem großen Verlust an Biodiversität in Ghana geführt, da Landwirte riesige Mengen an Pestiziden auf die Pflanzen sprühen. Es ist ein perfides, globales System, das dies ermöglicht: Sobald bestimmte Pestizide in Amerika, Europa oder China verboten werden, verscherbeln Chemieunternehmen sie zum Ramschpreis an afrikanische Bauern: „Chemikalien, die in den Industrieländern verboten sind, werden neu verpackt und nach Westafrika geschickt, wo sie andere nützliche Tiere töten, wie Regenwürmer und Termiten.“ Obwohl solche tropischen Ökosysteme Schädlinge natürlich bekämpfen könnten, werden exorbitante Mengen an krebserregenden, giftigen und umweltschädlichen Chemikalien benutzt, was das natürliche Gleichgewicht aus der Waage bringt.

Was kann zum Schutz stachelloser Bienen in Westafrika getan werden?

Es gibt eine Vielzahl von Naturschutzmaßnahmen in Ghana, wie Peter Kwapong uns erzählt. Mit dem ISBC hofft er beispielsweise, die ghanaische Bevölkerung für die Biodiversitätskrise zu sensibilisieren und ein Schutzgebiet für wildlebende Insekten zu schaffen.

Peter Kwapong schreckt aber auch vor pragmatischen Schutzmethoden nicht zurück: „Ich habe Holzfällern gesagt, dass ich ihre Bäume kaufe, wenn sie darin ein Nest mit stachellosen Bienen finden. Auf diese Weise werden die stachellosen Bienen nicht getötet, wenn das Holz zu Brettern für Möbel oder Bauholz zersägt wird.“ Sobald die Bienen in Sicherheit sind, werden sie in das ISBC oder in den Garten von Peter Kwapong umgesiedelt, wo sie ungestört leben können.

Auf die Frage, welche Maßnahmen er ergreifen würde, um die Biodiversität in Ghana zu fördern, hat Peter viele Ideen, von denen eine besonders hervorsticht: „Ich würde die Menschen in den verschiedenen Gemeinden ansprechen und sie aufklären, sie mit ins Boot holen und sie in den Naturschutz einführen“, sagt er. „Wenn die Menschen erst einmal sehen, wie wichtig unsere Natur ist, dann werden weniger Lebensräume zerstört und weniger Pestizide benutzt werden.“

 

+++English version +++

Stingless Bees and their Conservation Status

When we visited Professor Peter Kwapong and Sammy Nkruhmah at the International Stingless Bee Centre (ISBC) in March 2023, our first impression of Meliponine bees was utterly wrong. We giggled as the bees swarmed and tickled us, but what we mistook for benevolent curiosity was actually a defensive mechanism, as Peter Kwapong later tells us. “It’s not that they don’t want to sting”, he chuckles, “Their abdomen just has no functional stinging apparatus.”

Their missing stinger is just one distinct feature that differentiates Meliponula bees from the Western Honey Bee or other wild bee species in the Northern Hemisphere. Morphology, nesting habits, and hive architecture all differ as compared to bees endemic to Europe or North America. In Part 3 of the Meliponula Bee Series, we will shed light on some of the most intriguing mysteries surrounding Meliponine bees and why these stingless bees are endangered all over Western Africa.

Stachellose Bienen in Ghana

Biology lesson: Stingless or Meliponine bees

Most stingless bee species belong to the Apidae family, just like the Western honey bee and many other wild bee species in Europe and Northern America. Morphologically, stingless bees look pretty similar to Western honey bees: They have a head, a thorax, and an abdomen, as well as three pairs of legs, two antennas, two compound eyes, and two pairs of wings. The most compelling difference is the “non-functional stinging apparatus.”

Within the group of stingless bees, Meliponula is a genus with approximately 3 species. However, this number should be taken with a grain of salt, as Peter Kwapong notes because many more are to be discovered. In his time at Cape Coast University, Peter Kwapong’s research group alone has discovered 12 stingless bee species in the remote regions of Ghana. Such “undiscovered” species are often only known to local communities that live thousands of kilometers out in the bush, who Peter Kwapong then visits—often for months at a time.

Nesting habits and architecture of stingless bees

Within the group of bees, there are solitary and social bees. The latter group build their nests in living trees, dead logs, abandoned ant hills, or old houses. Usually, stingless bee nests are not exposed, but hidden away in tree trunks or other cavities, making it harder to access for large predators.

In contrast to the Western honey bee, stingless bees store their honey in pots as compared to combs. The stingless bee nests grow into weird-looking bubble shapes—which are oddly reminiscent of cancerous outgrowths—in which each bubble contains bee hive products, that have been shown to serve a multitude of medicinal purposes.

Das Nest von stachelloser Bienen

Stingless bees: How to defend yourself without a weapon?

Stingless bees don’t always have it easy. Their list of predators and intruders is long and includes creatures that will destroy their entire hives just to lay their hands (or feelers) on their honey. Despite the constant danger emanating from beetles, ants, flies, spiders, crows, lizards, monkeys, badgers, and—of course—humans, Meliponine bees have a very limited arsenal to defend themselves.

As the name suggests, stingless bees do not have a stinger with which they can defend themselves. Instead, when attacked, they swarm the intruder, biting them and crawling into every uncovered orifice: mouths, nose, ears. Some stingless bees even produce a foul-smelling repellent fluid, which they “spit” onto intruders.

Conservation status of stingless bees: Anthropogenic endangerment

However, sadly, neither stinger nor spit could ward off the most intrusive of destroyers: humans. As Peter Kwapong points out, the vast majority of stingless bee species in Western Africa are endangered due to anthropogenic destruction of habitat and the pollution of the environment.

“Habitats are being destroyed deliberately or out of lack of knowledge”, he laments. Land is developed for agriculture or infrastructure by slashing and burning intact forests and other ecosystems. “They let the fire burn for days until the ground becomes charcoal, so that even the ground-nesting bees die”, Peter Kwapong sadly notes.

Aside from this destruction of habitat, the pollution of the environment has also led to great biodiversity loss in Ghana, as farmers spray vast amounts of pesticides onto crops. It is an insidiously globalized system that enables this to happen: Once certain pesticides are banned in America, Europe, or China, chemical companies flog them to African farmers for a cheap price: “Chemicals that are banned in the developed world are repackaged and sent to Western Africa, killing other useful non target animals, such as earth worms and termites.” These carcinogenic, toxic, and environmentally harmful chemicals are then applied within ecosystems that naturally control themselves without pesticides.

What can be done to protect stingless bees in Western Africa?

Bee conservation measures are multifaceted in Ghana, as Peter Kwapong tells us. With the ISBC, he hopes to raise awareness regarding the biodiversity crisis in the Ghanaian population, as well as creating a sanctuary for insect wild life.

But Peter Kwapong also does not shy away from pragmatic conservation methods: “I have told loggers that I will buy their trees, when they find a stingless bee hive in them. That way, the stingless bees are not killed when the wood is sawed into boards for furniture or building materials.” Once the bees are safe, they are relocated to the ISBC or to Peter Kwapong’s home, where they can live undisturbed.

When asked what measures he would implement to conserve biodiversity in Ghana, Peter has many ideas, of which one stands out: “I would engage people in various communities and educate them, bring them on board, and initiate them into conservation”, he says, “Once the people see the importance, fewer habitats would be destroyed and fewer pesticides would be used.”

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