COP15: Kann das Naturschutzabkommen die Biodiversität retten?

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Bei der Weltnaturschutzkonferenz in Montreal wurde das UN-Naturschutzabkommen verabschiedet. Trotz vager Ziele, Ungereimtheiten bei der Abstimmung und fehlender Partner:innen ist das ein positiver Schritt in die richtige Richtung.

COP15: Das Pendant zum Klimaabkommen von Paris für die Biodiversität?

Das neue UN-Naturschutzabkommen will nichts Geringeres, als das sechste große Massensterben auf diesem Planeten aufzuhalten. Sicherlich kein bescheidenes Ziel, für dessen Umsetzung sofortige Maßnahmen nötig wären. Leider werden ebendiese allerdings nicht in der Abschlusserklärung konkretisiert. Auch wenn die Verabschiedung des Abkommens an sich ein positiver Schritt in die richtige Richtung ist, wird der 19. Dezember 2022 daher nicht als Tag in die Geschichte eingehen, an dem der Mensch Mutter Natur rettete.

Herbicide, Farmer, In Rice Field, Pesticide, Poison

Ironischerweise haben sich viele von der Biodiversität-Konferenz das Pendant zum Klimaabkommen von Paris erhofft, dessen 1,5-Grad-Ziel schon heute von vielen Expert:innen verworfen wird. Statt aus den Fehlern des Klimaabkommens von 2015 zu lernen, scheint auch das heutige Abkommen in Teilen realitätsfern: Gigantische Ziele sollen mit vagen Maßnahmen erreicht werden. So wurden beim Thema Pestiziden (wieder) wirtschaftliche Interessen stärker gewichtet als ökologische oder soziale Faktoren. Dass die USA gar nicht erst an der Konferenz teilnahm und artenreiche Länder wie Brasilien, Indonesien und die Demokratische Republik Kongo gegen den finalen Entwurf stimmten, wird von der chinesisch geführten Delegation konsequent ignoriert. Anders als beim vom Optimismus geprägten Klimaabkommen von Paris weist das „Kunming-Montreal“-Abkommen schon heute Risse im Fundament auf.

Ziele des Naturschutzabkommens

Trotzdem sollte das Naturschutzabkommen nicht vollends verworfen werden: Dank des COP15 ist die Biodiversität ins Rampenlicht der Welt gerückt. Zum ersten Mal würdigt die UN indigene Völker beim Thema Biodiversität. Und schließlich werden auch Finanzmittel und Netzwerke geschaffen, mit denen technologische Innovationen erforscht werden können, welche die Biodiversitätskrise abmildern könnten.

Beach, San Blas Islands, Panama, Island, Paradise, Sea

Wie in der Abschlusserklärung nachzulesen, haben sich 193 Staaten vier übergreifende Ziele gesetzt:

1.) Ökosysteme sollen bewahrt, vergrößert und wiederhergestellt werden, um das Massensterben aufzuhalten und die genetische Diversität zu erhalten.

2.) Biodiversität soll nachhaltig genutzt werden, sodass Lebewesen und Ökosysteme weiterhin „Naturdienstleistungen“, wie das Säubern von Luft und Wasser, erledigen können.

3.) Die monetären und nicht-monetären Erlöse, die wir aus genetischen Ressourcen ziehen, sollen gerecht und ausgewogen verteilt werden. Indigene Völker sollen mehr Rechte erhalten.

4.) Die Kooperationen zwischen Staaten, Universitäten und Unternehmen soll beim Thema Biodiversität gestärkt und finanziert werden.

Bis zum Jahr 2030 sollen etwa 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Naturschutz gestellt werden. Ärmere Länder sollen bereits bis 2025 knapp 20 Milliarden Dollar von reicheren Ländern erhalten, um Maßnahmen zum Erhalt ihres Artenreichtums umsetzen. Und umweltschädliche (Agrar-) Subventionen sollen weltweit sukzessive abgebaut werden.

Field Of Rapeseeds, Oilseed Rape, Landscape, Yellow

Umsetzung der Ziele

Solch noblen Ziele klingen auf Papier gut, doch bei der Umsetzung wird die Rhetorik der Autor:innen schwammiger. Formulierungen wie „significantly increase“ oder „close to zero“ sind rechtlicher Jargon, dehnbar wie der Kautschuk der Monokulturen Südostasiens. Ob und wie die Ziele Letzen Endes umgesetzt werden, hängt dann (wieder) davon ab, wie eng die zukünftigen Staatsmänner und -frauen, diese Begrifflichkeiten selbst definieren, ungeachtet geopolitischer Geschehnisse.

 

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