Unsere heimischen Wildbienen in Deutschland

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  • In Deutschland gibt es über 585 verschiedene Wildbienenarten.
  • Leider sind Wildbienen in Deutschland massiv vom Aussterben
  • Alle Fakten über Aussehen, Arten, Fortpflanzung, Nahrung, Nisten und Schutz von Wildbienen.

Wer „Biene“ hört, denkt zunächst oftmals an die fleißig-flauschige Honigbiene. Die wenigsten Menschen kennen den Unterschied zwischen einer Wildbiene und einer Honigbiene – und das, obwohl es in Deutschland über 585 verschiedene Wildbienenarten gibt! Die Welt der Wildbienen ist bunt, faszinierend und abwechslungsreich.

Wie die Honigbiene sind Wildbienen ebenfalls Insekten. Allerdings gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen den beiden Artgenossen: Honigbienen werden vom Menschen kultiviert, Wildbienen nicht. Nach Kühen, Schweinen und Geflügel sind Honigbienen in Deutschland das am häufigsten gehaltene Nutztier. Der Grund hierfür ist – wie der Name schon sagt – der Honig. Anders als die Honigbiene machen Wildbienen zwar keinen Honig, aber trotzdem erledigen sie für Mensch und Natur lebenswichtige Aufgaben: Sie bestäuben Blumen und Pflanzen; sie dienen anderen Tieren als Nahrung und halten so die Natur im Gleichklang. Und obwohl Wildbienen somit das Fundament unserer Natur bilden, sind sie massiv vom Aussterben bedroht.

Name Wildbiene
Tierklasse Insekt
Lateinischer Name Apidae
Höhere Klassifizierung Hautflügler
Nahrung Nektar und Pollen
Häufige Arten in Deutschland Gehörnte Mauerbiene, Rote Mauerbiene, Seidenbiene, Hummel, Blaue Holzbiene

Wildbienen in Deutschland: Aussehen, Körperbau und Sinnesorgane

Allein in Deutschland gibt es über 585 verschiedene Wildbienenarten, daher ist eine prototypische Beschreibung nicht wirklich möglich, auch wenn ein Bestimmungsschlüssel dabei helfen kann verschiedene Wildbienen zu unterscheiden. Wildbienen gibt es in zahlreichen Farben, Formen und Größen und manchmal sehen sie Wespen oder Fliegen zum Verwechseln ähnlich, auch wenn sie keine sind. Dennoch gibt es einige äußerliche Eigenschaften, die uns Wildbienen erkennen lassen.

Zunächst gibt es auf dem Scheitel des Bienenkopfes drei Nebenaugen, die sogenannten „Ocellen“. Diese drei unbeweglichen Punktaugen helfen der Wildbiene bei der Navigation und bei Flugmanövern. Rechts und links von den Ocellen befinden sich die großen „Komplexaugen“. Diese Komplexaugen bestehen aus knapp 5.000 kleinen, sechseckigen Einzelaugen, die jeweils einzelne Bildpunkte wahrnehmen und diese Information ans Gehirn der Wildbiene schicken. Dort werden sie verarbeitet zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. Die Komplexaugen haben eine Halbkugelform, sodass jedes Einzelauge in eine andere Richtung blickt.

Unterhalb des Kopfes (lat.: Caput) befindet sich das Hauptschild (lat.: Mesonotum) der Wildbiene. Von hier erstrecken sich zwei Flügelpaare mit jeweils einem Vorder- und einem Hinterflügel. Das Hinterteil der Biene wird „Abdomen“ genannt und ist in verschiedene Segmente aufgeteilt. Der Abdomen ist meist der größte Teil der Wildbiene. Wie jedes andere Insekt haben auch Wildbienen sechs Beine.

Viele Wildbienenarten haben einen flauschigen Pelz, wobei die nestbauenden Bienen eine besonders starke Behaarung haben. Farblich variiert die Färbung des Pelzes von rot, braun, weiß, gelb bis hin zu orange. Der feine Pelz der Wildbiene dient dazu, dass viele Pollen hängen bleiben, die die Wildbienen zur Versorgung ihrer Brut brauchen.

Verschiedene Arten von Wildbienen: Hummeln und kollektive lebende Bienen

Es gibt über 30.000 Bienenarten weltweit. Grundsätzlich werden Bienen in drei große Gruppen unterteilt: kollektiv lebende Bienen, Solitärbienen und Kuckucksbienen. Die Mitglieder der drei Gruppen unterscheiden sich also viel mehr in ihrer Lebensweise als in ihren äußerlichen Merkmalen.

Das prominenteste Mitglied der Kollektivbienen ist die westliche Honigbiene. Sie leben in Staaten und organisierten Bienenvölkern und kommunizieren durch eine komplexe Bienensprache, die Biologen schon seit Jahrhunderten fasziniert. Doch die Honigbiene ist keinesfalls die einzige staatenbildende Biene. Auch Hummeln leben zusammen mit ihren Artgenossen in sogenannten Hummel-Völkern. Anders als bei der Honigbiene sind solche Hummel-Völker allerdings viel kleiner und bestehen aus 30 bis 600 Hummeln. Im Winter überleben außerdem nur die zukünftigen Königinnen, die dann im Frühjahr neue Völker gründen.

In Deutschland gibt es knapp 40 verschiedene Hummelarten und ihre Arbeit und Bedeutung für die Natur wird oft unterschätzt. So wie alle Wildbienen stehen Hummeln auch unter Naturschutz. Tragischerweise sind in Deutschland bereits drei Hummelarten vollständig ausgestorben und 16 stehen auf der Roten Liste.

Im Gegensatz zur Honigbiene und zu anderen Wildbienen sind Hummeln sehr anpassungsfähig und Kälteresistent: So wurden schon Hummeln in 5.000 Metern Höhe entdeckt und auch im Flachland fliegen die ersten Hummeln bei 3 Grad aus, um auf Nahrungssuche zu gehen. Für andere Bienen sind solche Temperaturen noch viel zu kalt und Hummeln sind die einzigen Bestäuber in dieser Zeit. Dank den fleißigen Hummeln können sich daher Pflanzen verbreiten, die im Hochgebirge leben oder im Winter blühen. Physiologisch halten Hummeln diese niedrigen Temperaturen nur aus, weil sie mit ihrer Flugmuskulatur eine Körpertemperatur von 35 Grad konstant halten. Die Hummelart Bombus polaris kann sogar im eisigen Kanada oder Alaska überleben!

Es ist nicht abwegig zu sagen, dass Hummeln die Kraftprotze der Wildbienen sind: Sie sind schwerer, stärker und haben einen längeren Rüssel, womit sie Nektarquellen erreichen können, von denen andere Wildbienen nur träumen. So bestäubt nur die Hummel den Rotklee aber auch viele verschiedene Nachtschattengewächse (z. B.: Tomate, Kartoffel, Tollkirsche).

Was sind die häufigsten Wildbienen? Die Solitärbienen

Anders als Hummeln und Honigbienen lebt der Großteil der Wildbienen nicht im Staatenverbund. Es gibt über 20.000 bis 30.000 verschiedene Solitärbienen weltweit und die schiere Vielfalt an Solitärbienen ist verblüffend. Auch wenn der Name „Solitärbiene“ anderes vermuten lässt, verbringen viele Solitärbienen nicht ihr gesamtes Leben allein: Es gibt einige, die Brutkolonien mit Artgenossen bilden und wieder andere, die sich gemeinsame Schlafplätze suchen. Evolutionsforschende sehen dieses Verhalten als Vorstufe zur Staatenbildung.

Trotz der vielen Unterschiede zwischen Solitärbienen gibt es auch einige Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Arten: Der Großteil der Solitärbienen verbringt fast ein gesamtes Jahr als (verpuppte) Larve, aber nach dem Schlüpfen leben die meisten Solitärbienen nur wenige Wochen. Die männlichen Bienen widmen ihre kurze Lebenszeit der Suche nach Nahrung und Sex. Die Weibchen hingegen müssen sich um den Nachwuchs und Nestbau kümmern. Innerhalb der vier- bis achtwöchigen Lebenszeit bauen die weiblichen Wildbienen 4–30 Brutzellen und kümmern sich wohlwollend um sie, bis die Larven alles haben, was sie zum Gedeihen benötigen. Die meisten heimischen Wildbienenarten in Deutschland bauen ihre Nester in Erdhöhlen, doch es gibt auch viele, die in Ästen, alten Baumstämmen oder in Mauern leben. Seltener werden verlassene Schneckenhäuser oder ähnliches genutzt.

Wenn wir einen Blick in die Nester werfen, finden wir meist ein oder mehrere Brutzellen mit jeweils einem befruchtetem Ei. Die Mutterbiene packt ihren Larven genug „Pausenbrote“ und Proviant in die Brutzelle, sodass diese noch lange nach dem Tod der Mutter, was zu essen haben – denn die Brutzeit beträgt fast ein gesamtes Jahr! Ihre „Pausenbrote“ belegt sie mit Nektar und Pollen, was dem Jungtier genug Energie gibt, damit es sich von einer Larve zu einem Fluginsekt entwickeln kann. Abgesehen von der Nahrung muss die Brutzelle außerdem noch Wind und Wetter aushalten können. Einen kompletten Jahreszyklus muss das Lager standhalten: Vom trocken-heißen Sommer bis hin zum nass-kaltem Winter. Dazu kommt noch erschwerend hinzu, dass Fressfeinde zu gerne die hilflosen Larven snacken, oder dass die Brutzelle von Pilzen befallen werden – die Wildbienen-Muttis müssen also richtig auf Zack sein.

Damit die Brutzellen ihrer kleinen Baby-Bienen wollig warm, trocken und sicher bleiben, haben sich die Wildbienen ordentlich etwas einfallen lassen. Einige Wildbienenarten könnte man schon glatt als Innenarchitekten bezeichnen, wenn sie Erde, Holzstücke, Pflanzenteile und eigene Körpersekrete benutzen, um die Brutzellen zu bauen. Die sehr seltene Mohnbiene hat schon fast Tine-Wittler-Allüren: Sie pflückt kleine Stücke von Mohnblütenblätter und tapeziert damit die Innenwände der Brutzellen!

Nach einigen Tagen schlüpft dann meistens schon das Ei – allerdings dauert es noch ziemlich lange, bis die Larve das Licht der Welt entdeckt. Denn die Bienen-Mutter verschließt die Brutzelle mit Erde oder Lehm und die Larve bleibt im verschlossenen Raum, bis sie sich zu einer Biene entwickelt hat. Stell Dir vor, Du wärst etwa 70 Jahre in einem Raum eingesperrt, um dann die letzten paar Jahre Deines Lebens Draußen zu verbringen!

Fiese Biene: Kuckucksbiene als die letzte Wildbienengruppe

Auch wir Menschen kennen das: Kinder zu versorgen, umsorgen und aufzuziehen bedarf viel Zeit und viel Energie – in der Tierwelt ist das nicht anders. Der Kuckucksvogel hat allerdings eine viel perfidere Masche für seinen Nachwuchs: Der Kuckuck sucht sich ein Nest eines anderen Vogels aus, legt dort seine Eier ab und kümmert sich dann nicht mehr darum. Die nichtsahnende Nestinhaberin kümmert sich weiterhin liebevoll um die Eier, bis sie schließlich schlüpfen. Doch im Vergleich zu den anderen Küken im Nest, ist das Kuckucks-Küken instinktiv viel aggressiver und beginnt sofort seine „Geschwister“ totzupicken.

Solchen garstigen Kuckucks-Tricks gibt es nicht nur in der Vogelwelt: Auch bei den Wildbienen gibt es sogenannte Kuckucksbienen. Und in der Bienenwelt sind solche Brutparasiten noch viel verbreiteter als bei Vögeln! Rund 25 Prozent aller Wildbienenarten sind Kuckucksbienen und so ziemlich jede Solitärbiene hat mindestens eine (manchmal aber auch mehrere) Kuckucksbienen, die es auf die Brutzellen dieser einen Solitärbiene abgesehen haben. Wie bei den Vögeln sind die Kuckucksbienen ziemlich hinterlistig und warten bis kurz bevor die Brutzelle fertiggestellt ist. Sobald die Luft rein ist, weil die Bienen-Mama noch Proviant für ihre Larve holt, krabbelt die Kuckucksbiene in das fremde Nest und legt ein zweites Ei in die Brutzelle. Nach mehreren Monaten schlüpft schließlich die Kuckuckslarve und beginnt sofort damit den wertvollen Proviant der Solitärbienen-Larve zu vertilgen. Spätestens wenn die andere Larve schlüpft, wird sie von der Kuckuckslarve getötet – meistens wird aber das Ei schon vorher aufgebrochen und gefuttert.

Pollen & Nektar: Was sind Spezialisten und Generalisten?

Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal bei Wildbienen ist das Essen: Klar, alle Wildbienen ernähren sich von Nektar und Pollen, allerdings gibt es einige Bienen, die sich auf einige wenige Blumen spezialisiert haben (Spezialisten), während andere alle Blumen anfliegen (Generalisten). Dabei geht es aber nicht um den Nektar für den Eigenbedarf, sondern um die Pollen für den Nachwuchs. Sowohl Bienenweibchen als auch Männchen decken ihren hohen Eigenbedarf an Energie mit Nektar von vielen verschiedenen Pflanzen. Daher kann es vorkommen, dass Du einen Pollenspezialisten an einer „falschen“ Pflanze findest.

Pollenspezialisten (in Expertenkreisen auch Oligolektische Wildbienenarten) nutzen ausschließlich die Pollen von einer Pflanzenfamilie oder manchmal sogar nur von einer Gattung. Werner David erklärt das Ganze mit einem Beispiel in seinem Buch Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen: „Die Dunkle Weidensandbiene (Andrena apicata) nutzt ausschließlich Weidenarten (Salix) als Pollenquelle. Die Natternkopf-Mauerbiene (Osmia adunca) sammelt am Natternkopf (Echium), die Glockenblumen-Scherenbiene (Osmia campanularum) an Glockenblumen (Campanula).“ Pollengeneralisten (Polylektische Wildbienenarten) sind da nicht so wählerisch und nutzen beim Pollensammeln das gesamte vorhandene Angebot. Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) oder die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) sind gute Beispiele für heimische Pollengeneralisten. Evolutionsbiologisch sind Pollenspezialisten sehr wichtig für Pflanzen, da sich die „Chance auf Bestäubung mit Pollen einer Blüte der eigenen Art erhöht“, wie Anja Eder in ihrem Buch Wildbienen Helfer schreibt.

Wo nisten Wildbienen? Natürliche Nistplätze, Nisthilfen und Bienenhotels

Wie Du bereits weißt, ist der normale Alltag einer Wildbienen-Mama ganz schön anstrengend: Blumen Bestäuben, Pollen und Nektar für den Nachwuchs sammeln und Brutzellen bauen. Nach einem solch vollgepacktem Arbeitstag freut sich manch ein fleißiges Bienchen auf eine erholsame Nacht im Insektenhotel, während es auch echte „Naturburschen“ unter den Bienen gibt, die lieber unter dem klaren Sternenhimmel schlafen.

Manche Wildbienenarten verkriechen sich nachts, bei schlechtem Wetter oder bei extremer Hitze in die Blütenkelche verschiedener Blumen. Hier liegen sie oft eng aneinander gekuschelt und fallen dort in eine inaktive Phase. Die beliebtesten „Schlafblumen“ in unseren Breitengraden sind die Glockenblume, Storchschnabel, Malve, Wegwarte, Disteln und die Flockenblume. Meistens sind es Kegelbienen, Wespenbienen, Filzbienen und Bastardbienen, die sich diesen außergewöhnlichen Schlafplatz zu Nutzen machen. Andere Wildbienenarten, wie die Florentiner-Wollbiene, die Steinhummel oder die Schienenbiene schlafen, eng an Pflanzenhalme geklammert.

Natürlich gibt es auch Wildbienen, die sich zum Schlafen in Insektenhotels verkriechen. Dazu krabbeln sie in die Röhrchen oder in die offenen Fugen und holen sich dort ihre wohlverdiente Mütze Schlaf. Doch Insektenhotels – oder „Nisthilfen“ wie Fachkundige dazu sagen – sind primär dazu da, um Wildbienen künstliche Brutplätze zu bescheren. Denn mit der wachsenden Verstädterung und Versiegelung von Flächen steigen auch bei Wildbienen die Mietpreise und der Wohnraummangel.

Wie Werner David in seinem Buch Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen schreibt sind die von Menschen gebauten Insektenhotels allerdings nur bedingt nützlich, da der Großteil der heimischen Bienen solche Insektenhotels nicht besiedelt:

  • 50 Prozent nisten im Erdboden,
  • 3 Prozent nagen ihre Gänge selbst in Holz oder in markhaltige Pflanzenstängel,
  • 19 Prozent nutzen bestehende Hohlräume,
  • 1 Prozent baut Nester aus Harz oder mineralischem Mörtel,
  • 25 Prozent parasitieren als Kuckucksbienen bei anderen Arten,
  • Bei 3 Prozent ist die Nistweise bislang nicht bekannt.

Trotzdem werden Insektenhotels bei richtiger Bauweise meist vollständig von Wildbienen besiedelt und tragen so zum Naturschutz und zum Erhalt der Artenvielfalt bei!

Warum sind Wildbienen wichtig? Die Bedeutung für Mensch und Natur

Aber warum sind Wildbienen überhaupt wichtig, wenn sie denn keinen Honig oder Wachs herstellen? Die Wildbiene hat mehrere super wichtige Aufgaben auf unserer Erde, die das Gleichgewicht der Natur im Einklang halten. Forschende schätzen, dass die Biene seit etwa 200 Millionen Jahren auf der Erde ist und dafür sorgt, dass Pflanzen bestäubt werden und sich so fortpflanzen können. Die Evolution der Bestäubung von Pflanzen ist eines der schönsten Wunder der Natur, wie Dirk Peters in „Wildbiene und ihre Bedeutung in der Natur“ schreibt:

„Zunächst verbreiteten sich die Pollen mit dem Wind, später schleppten auch Käfer die Samenzellen von Blüte zu Blüte. Aber erst mit dem Aufkommen von Fluginsekten nahm die Bestäubung an Fahrt auf. Und dann setzte ein Prozess ein, den Biologen Koevolution nennen: die wechselseitige Beeinflussung von Tier- und Pflanzenarten mit einem gemeinsamen Zentrum, der Bestäubung.“

Knapp 200 Millionen Jahre später hat sich das grundlegende Konzept der Bestäubung nicht geändert: Pollen sind die Samenzellen der Pflanzen und diese werden hauptsächlich durch Bienen von Pflanze zu Pflanze gebracht. Dies geschieht, indem sie am Körper der Tiere haften bleiben und als „blinder Passagier“ in einer anderen Pflanze landen, wo sie dann eine Befruchtung auslösen. Bei diesem Austausch von genetischem Material werden verschiedene DNA-Stränge rekombiniert und die nächste Generation entwickelt sich so weiter.

Pflanzen, die bei der Fortpflanzung auf Insekten angewiesen waren, entwickelten sich dahin gehend, dass Insekten von ihnen angezogen wurden. Diese sogenannten „zoophilen“ Pflanzen brachten üppige Nektarquellen hervor und bildeten große, bunte Blüten aus, damit sie auch ja von Wildbienen und anderen Insekten gesehen und gerochen werden.

Bienenhotel bauen: Material, Standort, Tipps und Tricks für Nisthilfen für Wildbienen

Wildbienensterben in Deutschland: Warum sind Bienen bedroht?

Trotz der immensen Wichtigkeit von Wildbienen für Mensch und Natur sind sie massiv vom Aussterben bedroht. Auch in Deutschland stehen zahlreiche heimische Wildbienenarten auf der Roten Liste und einige Arten sind tragischerweise schon ausgestorben. In dem Wildbienen-Nachschlagewerk schlechthin Die Wildbienen Deutschlands von Paul Westrich erklärt der Biologe:

„Wildbienen sind [im Gegensatz zur Honigbiene] schon lange auch in Deutschland von einem besorgniserregenden Rückgang betroffen: 52 % Prozent der Arten sind gefährdet, vom Aussterben bedroht oder extrem selten; 7 % sind verschollen und ihre Bestände sind höchstwahrscheinlich schon erloschen.“

Die Gründe für das sogenannte „Insektensterben“, was auch Schmetterlinge, Käfer und Falter betrifft, sind mannigfaltig. Doch renommierte Forschende sehen die moderne Landwirtschaft als Hauptverursacher des Insektensterbens: Monokulturen, Überdüngung und der Einsatz von Pestiziden und Herbiziden haben desaströse Konsequenzen für Insekten. Denn zum einen zerstören sie wichtige Nahrungsquellen und Lebensraum; zum anderen werden Insekten durch giftige Chemikalien getötet.

In Deutschland werden zwar alle Wildbienenarten gemäß § 39 Abs. 1 des Bundesnaturschutzgesetzes geschützt, dennoch kritisieren Fachkundige, dass hierzulande zu wenig unternommen wird, um das Bienensterben zu unterbinden. So fanden Forschende der Universität Duisburg und des Entomologischen Vereins Krefeld heraus, dass der Insektenbestand in den letzten 30 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen ist! Die seitdem berühmt gewordene Krefelder Studie gilt als bahnbrechende Erkenntnis und hat das Insekten- und Bienensterben in die Öffentlichkeit gerückt.

Wildbienenschutz: So rettest Du das Leben der fleißigen Bienchen

Um das Insektensterben aufzuhalten, sind schwerwiegende politische Entscheidung nötig, damit sich die Agrarwirtschaft grundlegend verändert. Aber Du kannst auch im kleinen Rahmen aktiv werden, denn Wildbienen brauchen bloß zwei Dinge, damit sie glücklich sind: was zu Futtern und Nistplätze. Heimische Pflanzen, wie Weiden, Natternköpfe und Glockenblumen sind besonders wichtig für die Spezialisten unter den Wildbienen. Bunte Wiesen in Gärten, Blumenkästen oder am Straßenrand bescheren Wildbienen leckere All-You-Can-Eat-Buffets und mit Insektenhotels oder strukturreichen Gärten finden sie dann auch sichere Plätze zum Nisten.

Die Bee friendly Bienensaat ermöglicht es Dir in Deiner Heimatstadt Nahrungsquellen für Wildbienen zu schaffen. Ob im heimischen Garten, im Balkonkasten im Büro oder auf dem Grünstreifen in der Stadt: Jede Blüte hat das Potenzial eine Wildbiene zu nähren und das Insektensterben aufzuhalten.

Quellen:

Deutsche Wildtier Stiftung, Hochbedroht und unverzichtbar, https://www.wildbiene.org/.

NABU - Naturschutzbund Deutschland e.V., Wild- und Honigbienen - NABU Schleswig-Holstein, https://schleswig-holstein.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten/wespen/19172.html.

Eder, Anja (Hg.), Dirk Peters, Michael Römer, Wildbienenhelfer. Wildbienen & Blühpflanzen jeder kann zum Wildbienen-helfer werden und damit zum Erhalt unserer Artenvielfalt beitragen, 1. Auflage, Rheinbach 2017.

Stiftung, Deutsche Wildtier, Deutsche Wildtier Stiftung | Deutsche Wildtier Stiftung: Wir geben Natur und Wildtieren eine Stimme, https://www.deutschewildtierstiftung.de/.

Westrich, Paul, Faszination Wildbienen, https://www.wildbienen.info/.

Westrich, Paul, Die Wildbienen Deutschlands, Stuttgart 2018.

Wikipedia, Wildbiene, https://de.wikipedia.org/wiki/Wildbiene.

Wildbienenschutz im Naturgarten, Naturgartenfreude.de, https://www.naturgartenfreude.de/.

 

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